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Homo universalis

Der Homo Universalis gleicht einem Bild höherer Ordnung, einer schwebenden Ikone. Es verleiht den Portraitierten eine neue, gemeinsame Identität. Das Heute wird auf eine Zukunft hin überschritten, die noch nicht fassbar ist. Seit 2009 arbeitet der Künstler am „multiplen Portrait.“ Changierend zwischen Individuum und Kollektiv organisiert Helzle Dualität und bringt sie ins Gleichgewicht, das Ich wird zum Wir, zum Du. Multiple Portraits spiegeln eine andere Wirklichkeit als die des Einzelnen. Sie haben ein anderes Sein, insofern sind sie wirklicher als die Wirklichkeit. Sie sind Ausdruck des Humanen. „Das wahre Gesicht“, so Wolf Nkole Helzle, „muss über anatomische Wirklichkeit hinausgehen.“ (Ricarda Geib, Kunsthistorikerin)

"... Um sich – im wahrsten Sinne des Wortes – „ein Bild“ von diesen Zusammenhängen zu machen, verfolgt der Künstler seit nunmehr ebenfalls 20 Jahren ein groß angelegtes, performatives Projekt, innerhalb dessen er weltweit, bei verschiedenen Anlässen Gesichter von Menschen sammelt, die sich bei einem kurzen Fotoshooting, in frontaler Ansicht und vor schwarzem Hintergrund porträtieren lassen.

Der Fokus ist dabei lediglich auf das Gesicht gerichtet. Es entsteht ein reines Kopfportrait, extrahiert aus allen sonstigen Zusammenhängen, so dass nichts von der jeweils individuellen Physiognomie ablenkt. Bilder aus dem Internet oder Fotoautomaten kommen jedoch nicht in Frage, denn Wolf Helzle sucht stets den persönlichen Kontakt. „Ich möchte die Leute miteinbinden, damit sie nah an der Kunst sind. (…) Letztlich ist der Mensch selbst das größte Kunstwerk“, erläutert er.

Auf diese Weise haben mittlerweile mehr als 40.000 Portraits aus verschiedenen Ländern in Europa, Asien und Afrika Eingang in seine Datenbank gefunden, und ständig werden es mehr!   

Das Aufnehmen und Sammeln der Gesichter ist dabei für den Künstler wie eine Verbeugung vor der unendlichen Vielfalt der Menschheit. Zugleich ist ihm jedoch bewusst, dass sich diese Vielfalt den zugrundeliegenden Prinzipien entsprechend auszeichnet durch eine endlose Variation des Gleichen. Für Wolf Helzle ist folglich – entgegen teilweise noch immer herrschender und einander entgegenstehender Gesellschaftsbilder – ein Kollektiv niemals ohne die Individuen, und die Individuen nicht ohne das Kollektiv denkbar.

Dieser Leitgedanke liegt auch der den multiplen Portraits – oder auch Kollektivportraits – der Werkserie „HOMO UNIVERSALIS“ zugrunde.

In einem speziell entwickelten Computerprogramm werden dazu die Einzelportraits transparent übereinander geschichtet und bilden so ein „neues“, gemeinsames Gesicht.

Dabei ermöglicht die Computertechnologie eine absolut gleichberechtigte Überlagerung, oder vielmehr „Vereinigung“ der Portraits, da im digitalen Datenraum weder die Reihenfolge, noch die Prägnanz eines individuellen Merkmals ein vordergründiges Mehr an Aufmerksamkeit erzeugen.

Faszinierend dabei ist, dass durch die Überlagerung die spezifischen Gesichtszüge zwar verwischen und die Übergänge weich werden, sich zugleich jedoch in den markanten Gesichtspunkten wie Augen, Nase und Mund verdichten, so dass tatsächlich immer wieder ein neues, einzigartiges Gesicht von malerischer Qualität entsteht.

Mit seinem meist freundlichen Äußeren und den uns scheinbar in jeder Perspektive in Augenschein nehmenden Blick wirkt es sehr lebendig. Zugleich ist es aber in Alter und Geschlecht nur schwer festzumachen, und je mehr man sich ihm nähert, desto mehr entzieht es sich einer eindeutigen Beschreibung. Dadurch wirkt es zugleich nah und entrückt, vertraut und doch fremd, hält aber gerade deshalb unseren Blick gefangen und strahlt darin beinah etwas von einer zeitlosen, allgegenwärtigen Präsenz aus. ..."

Simone Jung, Kunsthistorikerin