social media artist

I am we_interactive image

Das globale Netzkunst-Projekt des Medienkünstlers Wolf Nkole Helzle ist ganz auf Partizipation ausgelegt. Mittels einer eigens dafür entwickelten Internetplattform können Personen aller Nationen ihr persönliches Bildertagebuch anlegen. Aus allen Bildern wird des weiteren ein interaktives Gesamtbild errechnet und dargestellt, welches sich durch das hochladen je neuer Bilder laufend ändert. Zusätzlich können die Teilnehmer sich über ihre Bilder austauschen.
Das sich laufend ändernde Gesamtbild „interactive image“ ist in verschiedenen Kunstausstellungen vertreten. Mit diesem Link kommt man zu www.interactive-image.org.

Neuer Flyer 2016

Drei Bestandteile: Zur Verwirklichung dieses Projekts wurde diese Internetplattform entwickelt, welche aus zwei Teilen besteht, die wiederum durch verschiedene Kommunikationen miteinander verbunden sind.
Teil 1, Individuum: In ein vorbereitetes Kalendarium laden die Teilnehmer täglich ein von ihnen fotografiertes Bild hoch, welches von ihrer Welt erzählt: „Was begegnet mir gerade? Was ist wichtig für mich? Was bringt mich zum weinen, zum lachen, was macht mich fröhlich, was traurig, was still? Wo ist meine Liebe zuhause? Was macht meine Welt heute aus? Wie sieht meine Umgebung aus, meine Familie, mein zuhause, die Landschaft um mich herum, an was arbeite ich gerade…? Ein Bildertagebuch also.
Teil 2, Kollektiv: Aus allen Bildern, die in den Tagebüchern hochgeladen werden, wird ein Gesamtbild berechnet, welches sich durch das Hochladen weiterer Bilder laufend ändert. Dieses Gesamtbild gibt es in zwei Fassungen. Das eine ist eine Übersicht aller Bilder eines gewissen Zeitraums und das zweite ist die Anordnung dieser Bilder zu jeweils einem Mosaikbild, welches wiederum das Profilbild je eines Teilnehmers darstellt. In diese Gesamtbilder kann gezoomt werden, sodass die einzelnen Bilder erkennbar sind.
Teil 3, Kommunikation: Angemeldete Personen können zu Bildern von anderen Teilnehmern Bemerkungen verfassen und auch die Tagebücher anderer Teilnehmer einsehen.
Teil eines Kunstwerks: Mit der Teilnahme ist man aktiver Teil des Kunstwerks und holt sich mit allen anderen Teilnehmern die ganze Welt nach Hause.
Gleichzeitigkeit: Wolf Nkole Helzle: „Häufig realisiere ich, was alles in dieser einen Sekunde auf der ganzen Welt passiert. Das ist wahrlich mehr, als mir in meinem gesamten Leben passieren wird. Und das jede Sekunde. In der bisherigen Laufzeit des Projektes lässt sich ein immenser Reichtum feststellen, welcher durch die Anteilnahme an den Leben Anderer resultiert.“
Vorbereitende Arbeit Selfportraits:

Das Projekt „Selfportraits“ vom 31. Mai 2010 bis 20. Mai 2011 ist ein Vorläufer dieser Plattform. Dazu die Kunsthistorikerin Ricarda Geib: „Ein Jahr lang, vom 31. Mai 2010 bis zum 30. Mai 2011 fotografierte Wolf Helzle seine Umgebung, 365 Bilder, für jeden Tag, für jede Empfindung ein Bild. Die Arbeit nennt er „Selfportraits“. Der Himmel, die Wolken, das Kruzifix, die zarten Blüten – alles, so scheint es, kommt vor. Irritierende Nahsichten stehen neben entgrenzten Aufnahmen weiter Ferne. Die Stofflichkeit seiner Bilder stimuliert die Phantasie und reizt die Sinne. Was ihn jedoch interessiert, sind die „moments in between“. In Postkartengröße erzählen die Bilder von Blicken aus dem Atelierfenster oder Perspektiven unterwegs, berichten von Geburtstag und Tod, Wärme und Kälte, Freundschaft und zufälliger Begegnung. Schritt für Schritt, so scheint es, versucht der Medienkünstler sein Leben, seine Welt zu erkunden.
Schon in der antiken Rhetorik galten Orte als Depots für Bilder. An ihnen konnte man Gedanken wieder aufsuchen, wiederfinden. Schritt für Schritt ging der antike Redner von Ort zu Ort, von Bild zu Bild: Landschaft erschließt sich nur im Gehen. Oft menschenleer, aber nicht verlassen, bewegt und doch beruhigt, fördern Helzles Landschaften die meditative Versenkung. Der Betrachter ist das Betrachtete, das, was man sieht, ist man. Vor einigen Jahren fotografierte der Künstler täglich sich selbst, um festzustellen, wer er sei. Oft war er überrascht: Ich ist ein anderer! Da man als Einzelner das Ganze nicht überschauen kann, muss man sich dem Blick des Anderen öffnen, muss mit ihm tauschen. Denn das Ich und der Andere sind wie ein zerrissenes Zwillingspaar. In der Vielfalt der Bilder bedarf unsere Welt immer wieder der Entschlüsselung, des Dialogs. So wird Kunst zum Experimentierfeld.“


Vortrag von Wolf Nkole Helzle als PDF-Dokument