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"ICH BIN WIR_I AM WE" 2010

Partizipative Arbeiten von 1997 bis 2010. Beiträge von Dr. Rita Täuber, Dr. René Hirner, Kurt Laurenz Theinert, Ricarda Geib und Simone Jung, Übersetzungen von Rebecca van Dyck. deutsch/englisch, 64 Seiten, 21 x 29,7 cm, Gestaltung WELLHOLZ.         

„Bereits seit Mitte der Neunziger Jahre arbeitet der Medienkünstler Wolf Nkole Helzle unentwegt an der Erweiterung eines besonderen Archivs. Ob in Europa, Afrika oder Asien - ob in einer Kunstausstellung, in einer Kirche oder auf der Straße - an all diesen Orten luden ein Stuhl, eine Lampe, ein schwarzer Hintergrund und eine Kamera Gäste, Besucher und Passanten zu einem kurzen Fototermin.
Auf diese Weise entstehen aber weder „Kniestücke“, Hüft- oder Brustbilder, sondern nahsichtige Kopfbilder mit aller Konzentration auf die Physiognomie. Wesentlich ist allein das Gesicht. Zunächst an einen Rechner weitergegeben, dessen besondere Software das Verhältnis von Augen, Nase und Mund bestimmt, gelangt schließlich Portrait für Portrait auf eine großformatige Leinwand. Der bannenden Frontalität dieser Gesichter gesellen sich die fließenden Bilder des Übergangs, bemerkenswerte Zwischenstadien, die sich durch das Verfahren des „Morphens“ ergeben. Denn so wie das Gesicht des Einzelnen durch den Akt des Fotografierens aus der Menge hervortrat, so kehrt es auch wieder in diese zurück und durchläuft dabei momenthafte nicht selten bizarre Verwandlungen, in denen das Gemeinsame und das Trennende eigentümlich nah beieinander liegen: dem lachenden Kind entsteigt ein ernsthafter Herr, aus dem blassen Nordeuropäer entpuppt sich die dunkelhäutige Schönheit.
Im Spannungsfeld von Individuum und Kollektiv ist es die besondere Vielfalt und Unverwechselbarkeit der individuellen Physiognomie, die immer wieder von Neuem fasziniert. An die 25.000 Portraits sind es, die sich bislang in Wolf Helzles weltweit angelegtem kommunikativen MedienKunstStück gleichberechtigt begegnen - eine gigantische Zahl und dennoch nur ein winziger Bruchteil des großen unüberschaubaren Ganzen.“
Dr. Rita E. Täuber, Kunsthistorikerin, Staatsgalerie Stuttgart

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