
(Foto: ©Christina Kratzenberg - für mehr Fotos bitte hier klicken)
Bereits seit Mitte der Neunziger Jahre arbeitet der Medienkünstler Wolf Nkole Helzle
unentwegt an der Erweiterung eines besonderen Archivs. Ob in Europa, Afrika oder Asien -
ob in einer Kunstausstellung, in einer Kirche oder auf der Straße - an all diesen Orten luden
ein Stuhl, eine Lampe, ein schwarzer Hintergrund und eine Kamera Gäste, Besucher und
Passanten zu einem kurzen Fototermin.
Auf diese Weise entstehen aber weder "Kniestücke", Hüft- oder Brustbilder, sondern
nahsichtige Kopfbilder mit aller Konzentration auf die Physiognomie. Wesentlich ist allein
das Gesicht. Zunächst an einen Rechner weitergegeben, dessen besondere Software das
Verhältnis von Augen, Nase und Mund bestimmt, gelangt schließlich Portrait für Portrait auf
eine großformatige Leinwand. Der bannenden Frontalität dieser Gesichter gesellen sich die
fließenden Bilder des Übergangs, bemerkenswerte Zwischenstadien, die sich durch das
Verfahren des "Morphens" ergeben. Denn so wie das Gesicht des Einzelnen durch den Akt
des Fotografierens aus der Menge hervortrat, so kehrt es auch wieder in diese zurück und
durchläuft dabei momenthafte nicht selten bizarre Verwandlungen, in denen das
Gemeinsame und das Trennende eigentümlich nah beieinander liegen: dem lachenden Kind
entsteigt ein ernsthafter Herr, aus dem blassen Nordeuropäer entpuppt sich die
dunkelhäutige Schönheit.
Im Spannungsfeld von Individuum und Kollektiv ist es die besondere Vielfalt und
Unverwechselbarkeit der individuellen Physiognomie, die immer wieder von Neuem
fasziniert. An die 20.000 Portraits sind es, die sich bislang in Wolf Helzles weltweit
angelegtem kommunikativen MedienKunstStück gleichberechtigt begegnen -
eine gigantische Zahl und dennoch nur ein winziger Bruchteil des großen unüberschaubaren
Ganzen.
Rita E. Täuber, Kunsthistorikerin, Staatsgalerie Stuttgart
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